Weltfriedenstag:

Zum Weltfriedenstag 2023: Frauennetzwerke für den Frieden stärken

Der diesjährige Weltfriedenstag ist ein Aufruf zum Handeln. «Frieden», sagt Antonio Guterres, der Generalsekretär der Vereinten Nationen, «entsteht nicht automatisch. Frieden ist das Ergebnis von Taten («Peace is the result of action»).» An diesem Weltfriedenstag erkennt die UNO an, dass es «unsere individuelle und kollektive Verantwortung ist, den Frieden zu fördern». Dem stimmen wir zu. Wir möchten, dass die transformative Kraft von Netzwerken anerkannt und die kollektive Kraft von Frauennetzwerken gefördert und effektiv genutzt wird, für eine friedliche und gerechte Welt.

Es ist höchste Zeit, dass Frauennetzwerke als kollektive Kräfte für einen positiven Wandel und eine friedliche Transformation anerkannt werden.

Wir unterstützen Netzwerke im Wissen, dass geschlechtergerechtes kollektives Handeln mit patriarchalischen Vorstellungen von hierarchischer Führung bricht. Frauenbewegungen für den Frieden beruhen seit jeher auf dem Prinzip des gemeinsamen Handelns für das Wohl aller. Dies zeigt sich zum Beispiel in Ländern wie Kolumbien oder den Philippinen, wo Frauen an der Spitze der zivilen Friedensbewegung stehen.

Seit einigen Jahren werden die Rechte von Frauen weltweit ausgehöhlt. Ihre sicheren Räume schwinden zunehmend. Besonders eklatant ist dies in Afghanistan zu beobachten. Aber auch in anderen Ländern werden reproduktive Rechte, das Recht auf gleichberechtigte Teilhabe und gleiche Bezahlung, der ungehinderte Zugang zu Gesundheitsversorgung, Bildung und sicheren virtuellen und physischen Räumen stetig verletzt. Diese Aushöhlung der Rechte von Frauen ist ein Versuch, ihre gesellschaftliche Partizipation zu beschneiden und ihren Handlungsspielraum einzuschränken. Vor diesem Hintergrund ist klar, warum das Nachhaltigkeitsziel, SDG, 5 zur Gleichstellung der Geschlechter – wie die meisten der anderen 17 Ziele – nicht bis 2030 erreicht wird. Wenn Frauen an den Rand gedrängt und ihre Rechte beschnitten werden, müssen Frauen und Frauenorganisationen handeln. Ein wirksames Aktionsinstrument ist dabei der Aufbau von Netzwerken.

Aus diesem Grund schliessen wir uns dem Aufruf der UNO an, die internationale Gemeinschaft, Regierungen und Aktivist:innen an diesem Weltfriedenstag daran zu erinnern, dass es nicht Einzelpersonen sind, die Frieden schaffen, sondern Netzwerke, Gruppen und Allianzen. In unserer Arbeit beobachten wir immer wieder, wie Frauen in ihren Gemeinschaften Verbindungen knüpfen und Netzwerke über religiöse und politische Differenzen, unterschiedliche sozioökonomische Herkünfte und über Nationen hinweg aufbauen. Durch patriarchalische Strukturen aus den Machtzentren verdrängt, finden sie Kraft und Sicherheit im gemeinsamen Handeln, im Teilen von Erfahrungen und im Austausch von Visionen und Strategien.

Mit unseren Partnerinnen und durch die FrauenFriedensTische unterstützen wir eine integrative und breit angelegte Zusammenarbeit und kollektive Aktionen, weil wir erkennen, dass diese Netzwerke weitgehend ungenutzte Ressourcen für den Frieden sind. Es ist höchste Zeit, dass in diesem Zeitalter der von Menschen verursachten Katastrophen Netzwerke, insbesondere Frauennetzwerke, als kollektive Kräfte für positiven Wandel und friedliche Transformation anerkannt werden. Sie sind ein unverzichtbares Instrument für die feministische Friedensförderung – und eine Schlüsselressource für die Verwirklichung der Agenda 2030 und für Fortschritte bei den SDGs. Die transformative Kraft von Netzwerken muss anerkannt und die besondere kollektive Kraft von Frauennetzwerken gefördert und effektiv genutzt werden, für eine friedliche und gerechte Welt.

FriedensFrauen Weltweit, 21. September 2023