Frauen
Agency (Handlungsmacht)
Friedensprozess
Dekolonialismus
Mit «Frauen» meinen wir Menschen, die sich als weiblich identifizieren, einschliesslich trans, inter und cis Frauen. Darüber hinaus betonen wir die Notwendigkeit, die Stimmen und Erfahrungen von Menschen einzubeziehen, die als Frauen sozialisiert wurden oder gelegentlich als Frauen wahrgenommen werden, wie z. B. trans Männer, nicht-binäre und agender Personen.
«Handlungsmacht» (Englisch: agency) bezeichnet die menschliche Fähigkeit, zu handeln und selbst zu entscheiden, welche Massnahmen ergriffen werden, um Veränderungen herbeizuführen. Wir verwenden den Begriff «kreative Handlungsmacht», um die Fähigkeit zu beschreiben, sich gegen konventionelle Geschlechtergrenzen zu stellen, gesellschaftlich zugewiesene Rollen von Frauen oder Männern in Frage zu stellen und neue Möglichkeiten der Teilhabe zu schaffen. Mit dem Begriff «kreative Handlungsmacht» wollen wir die innovativen Wege hervorheben, auf denen Frauen (und Männer) gesellschaftliche Normen verändern.
Quellen: Anthony Giddens, The Constitution of Society; Cambridge Dictionary; Annika Björkdahl and Johanna Mannergren Selimovic, Gendering Agency in Transitional Justice (2015)
Ein Friedensprozess ist die Zusammenführung aller Schritte, Initiativen und Massnahmen der formellen und informellen Friedensförderung, die einen transformativen Strukturwandel anstreben, indem sie die Ursachen von Konflikten und Gewalt vor, während und nach bewaffneten Konflikten angehen. Ein Friedensprozess verläuft selten linear, sondern in Etappen oder Phasen, die sich oft überschneiden, ohne übersichtlichen Zeitplan. Ein Friedensprozess ist vielmehr ein Puzzle aus mehreren aufeinanderfolgenden kleinen Schritten als der grosse, minutiös durchgeplante Versuch einen Konflikt gemäss Handbuch zu beenden. Er kann in jeder Phase – auch nach der Unterzeichnung eines Friedensabkommens – aus dem Ruder laufen und Rückschritte erleiden.
Siehe: https://1000peacewomen.org/de/themen/friedensprozesse
Dekolonialismus (sowie Dekolonisierung) in der internationalen Zusammenarbeit, humanitären Hilfe und in der Friedensförderung bezieht sich auf die Dekonstruktion und den Abbau kolonialer und neokolonialer Ideologien, welche die Art und Weise, wie der Globale Norden denkt und Wissen bewertet, als übergeordnet betrachten. Das Ziel ist die Umverteilung von Macht und Ressourcen, die nicht nur Kolonialmächte während des Kolonialismus angehäuft haben – und von denen sie bis heute profitieren und sie weiter ausbauen. Ausserdem zielt der Dekolonialismus darauf ab, auf die Denkweisen und Verhaltensmuster, die sich während der Kolonialzeit verfestigt haben, hinzuweisen und diese zu überwinden. Aus der Perspektive von Kritiker:innen des Kolonialismus, zu denen wir gehören, umfasst der Dekolonialismus sowohl eine kritische Perspektive als auch eine Praxis, die das fortbestehende Erbe kolonialer Macht in Wissen, Politik und Friedensförderung hinterfragt. Dekolonialismus und Dekolonialisierung fordern den Abbau dominanter westlicher Strukturen, die lokales, indigenes und feministisches Wissen und Macht marginalisieren. Stattdessen stellt Dekolonialismus die Stimmen, Erfahrungen und Führungskompetenzen derjenigen in den Mittelpunkt, die am stärksten von gewaltsamen Konflikten und historischer Unterdrückung betroffen sind.
PeaceWomen Across the Globe betrachtet Dekolonialismus sowohl als eine kritische Sichtweise als auch als eine Praxis, die die fortbestehenden Hinterlassenschaften kolonialer Macht in den Bereichen Wissen, Politik und Friedensförderung hinterfragt. Er fordert den Abbau vorherrschender westlicher Denkmuster, die lokales, indigenes und feministisches Wissen und Macht ausgrenzen. Stattdessen rückt der Dekolonialismus die Stimmen, Erfahrungen und Führungsrollen derjenigen in den Mittelpunkt, die am stärksten von gewaltsamen Konflikten und historischer Unterdrückung betroffen sind.
Quellen: Peace Direct: Race, Power and Peacebuilding, 2022; PeaceWomen Across the Globe «Guiding principles for decolonial peacebuilding», 2025..