Wir engagieren uns in Bündnissen mit gleichgesinnten Organisationen bei Abstimmungen in der Schweiz über politische Vorlagen und Initiativen zu für unsere Arbeit relevanten Themen.

Konzernverantwortung

Konzerne mit Sitz in der Schweiz sollen sicherstellen, dass sie und ihre Tochterunternehmen im Ausland Menschenrechte und Umweltstandards einhalten. Verstösse müssen Konsequenzen haben; Konzerne sollen für verursachte Schäden haften. Das forderte die Volksinitiative «Für verantwortungsvolle Unternehmen – zum Schutz von Mensch und Umwelt» («Konzernverantwortungsinitiative»), die 2015 lanciert wurde. Die Forderungen der Initiative entsprechen der Praxis anderer Länder.

Wir waren Teil einer breiten Koalition von über 110 Organisationen, die die Initiative unterstützt hat. Da Umweltzerstörungen und Menschenrechtsverletzungen geschlechtsspezifische Auswirkungen haben, die Frauen und marginalisierte Menschen aller Geschlechter unverhältnismässig stark treffen, unterstützte diese Initiative auch ein feministisches Anliegen.

Die Initiative erreichte 2020 das Volksmehr, wurde aber aufgrund des Ständemehrs abgelehnt. 2022 trat der Gegenvorschlag des Bundesrats in Kraft. Die Initiant:innen lehnen diesen ab, weil er nicht weit genug greift. Im selben Jahr lancierten sie eine zweite Unterschriftensammlung, nachdem Ende Februar die Europäische Union einen Vorschlag für ein EU-weites Konzernverantwortungsgesetz präsentiert hat. Die Schweiz soll nicht das einzige europäische Land ohne Regelungen in diesem Bereich bleiben.

Konzernverantwortung: klares Ja aus feministischer Perspektive 163,98 KB, PDF

Gegen Waffenexporte in Bürgerkriegsländer

Wir waren Teil einer Allianz aus Einzelpersonen, Nichtregierungsorganisationen, Politiker:innen und vielen Freiwilligen, die 2019 einen Schweizer Rekord bei der Online-Sammlung von Unterschriften für ihre Initiative «Gegen Waffenexporte in Bürgerkriegsländer» («Korrektur-Initiative») brach. Die Initiative forderte: Schweizer Waffen sollen nicht mehr in Länder exportiert werden, die Menschenrechte systematisch und schwerwiegend verletzen oder in ein Land, das in einen bewaffneten Konflikt verwickelt ist. Ausserdem dürfe der Bundesrat bei Kriegsmaterialexporten nicht mehr alleine entscheiden – Parlament und Volk müssen Mitsprache haben. 

Die Initiative wurde 2021 zurückgezogen, nachdem der Gegenvorschlag des Bundesrats vom Parlament verabschiedet wurde. Der Gegenvorschlag ist den Anliegen der Initiative mehrheitlich nachgekommen.

Polizeimassnahmen-Gesetz

Eine breite Koalition von Schweizer Nichtregierungsorganisationen lancierte im März 2021 den Abstimmungskampf gegen das «Bundesgesetz über polizeiliche Massnahmen zur Bekämpfung von Terrorismus PMT» («Polizeimassnahmen-Gesetz»). Als Mitglied des Bündnisses argumentierten wir aus feministischer Sicht gegen dieses Gesetz und warnten ausserdem vor Polizei-Willkür und einer Gefährdung des Rechtsstaats.

Im Juni 2021 stimmten Schweizer Stimmberechtigte mit 56,6% für das Polizeimassnahmen-Gesetz.

Argumente und Unterlagen: www.nein-polizeigesetz.ch.

Kriegsgeschäfte-Initiative

Angesichts der Milliardeninvestitionen in die Schweizer Rüstungsindustrie forderte die Initiative «Für ein Verbot der Finanzierung von Kriegsmaterialproduzenten» («Kriegsgeschäfte-Initiative»), dass die Schweizerische Nationalbank sowie die staatlichen und beruflichen Vorsorgeeinrichtungen und Stiftungen kein Geld in Kriegsmaterialproduzenten investieren dürfen. Die Initiative verlangte somit eine rechtliche Unterbindung von Investitionen in die Rüstungsindustrie.

Als feministische Friedensorganisation, die sich für Entmilitarisierung engagiert, unterstützten wir diese Initiative aus verschiedenen Gründen: Waffen führen immer zu grösserer Unsicherheit, Frauen sind in besonderem Masse von bewaffneten Konflikten betroffen und Waffen, die nach Ende eines Konflikts im Umlauf bleiben, führen nachweislich zu einer Zunahme von geschlechtsspezifischer Gewalt.

Die Initiative kam 2018 zustande und wurde von rund 30 Organisationen unterstützt. Im November 2020 wurde sie an der Urne mit 57,7% abgelehnt.

Volksinitiative zum Verhüllungsverbot

In der Volksinitiative «Ja zum Verhüllungsverbot» ging es angeblich um die individuelle Freiheit von Frauen und ihren Schutz vor patriarchalen Zwängen. Wir erachten dieses Verbot als gefährlich: Es befeuert anti-muslimischen Rassismus und instrumentalisiert Frauenrechte im politischen Diskurs. Gemeinsam mit unserer Kooperationspartnerin, der feministischen Friedensorganisation cfd, begründeten wir in einer Stellungnahme unsere Ablehnung. 

Schweizer Stimmbürger:innen sagten im März 2021 mit 51,2% knapp Ja zur Volksinitiative.