Frauen gestalten Friedensverhandlungen mit: Palästina/Israel

Das 2026 lancierte Programm wurde gemeinsam mit palästinensischen und israelischen Organisationen entwickelt, um dem Ausschluss von Frauen aus formellen Friedensverhandlungen entgegenzuwirken. Mit dem Programm unterstützen wir eine Koalition von Frauen, die sich für die Umsetzung der Resolution 1325 des UN-Sicherheitsrats und die massgebliche Einbeziehung von Frauen in palästinensisch-israelische Friedensprozesse einsetzt, und ihr öffentliche Aufmerksamkeit verschafft.

Hintergrund

Der langwierige bewaffnete Konflikt zwischen Palästinenser:innen und Israelis dreht sich um konkurrierende historische Ansprüche auf dasselbe Gebiet – zwischen dem Jordan im Osten und dem Mittelmeer im Westen. Er ist Teil eines umfassenderen Konflikts zwischen Israel und der arabischen Welt. Die Ursachen des Konflikts sind Gegenstand heftiger Debatten und gegensätzlicher Darstellungen. Sie konzentrieren sich auf die Römer, auf die jüdische Einwanderung ins Osmanische Reich im späten 19. Jahrhundert, auf widersprüchliche Versprechen der Europäer an Araber:innen/Palästinenser:innen und Jüd:innen, auf die Abstimmung der Vereinten Nationen im Jahr 1947 zur Teilung des britischen Mandatsgebiets Palästina in zwei Staaten nach der Vernichtung eines Grossteils der europäischen Jüd:innen im Holocaust, auf die palästinensische Nakba sowie auf die parallele Entwicklung des palästinensischen und des jüdischen Nationalismus. Trotz dieser widersprüchlichen Darstellungen gibt es kaum Uneinigkeit über die tragischen menschlichen Verluste dieses Konflikts.

Dieser festgefahrene Konflikt hat Hunderttausende Menschen in Palästina/Israel und darüber hinaus durch massive Vertreibungen, Besatzung und Landannexion, den Entzug von Rechten sowie regelmässige Ausbrüche extremer Gewalt in Mitleidenschaft gezogen. Seit den tragischen Ereignissen im Oktober 2023 und dem darauffolgenden verheerenden Krieg im Gazastreifen sind persönliche Begegnungen zwischen palästinensischen und israelischen Friedensaktivist:innen und -akteur:innen nahezu unmöglich geworden.

Während Friedensabkommen zwischen Israel und Ägypten (1979) sowie Jordanien (1994) unterzeichnet wurden, sind alle Bemühungen, Frieden zwischen Palästinenser:innen und Israelis zu vermitteln – darunter die Camp-David-Abkommen von 1978, die Osloer Abkommen der 1990er Jahre und weitere – gescheitert.

Beteiligung von Frauen an Friedensprozessen

Inmitten exponentiell eskalierender Gewalt tragen palästinensische und israelische Frauen die doppelte Last, ihre Gemeinschaften zu schützen, Kinder in einer unsicheren Realität grosszuziehen und sich durch Alarmmeldungen und Kontrollpunkte zu kämpfen. Sie sind mit der Zersetzung des Familien- und Gemeinschaftslebens durch Trennung und Vertreibung konfrontiert. Trotz alledem bleiben sie in den politischen und diplomatischen Prozessen, die vorgeben, für ihre Zukunft zu arbeiten, fast vollständig ausgeklammert.

Sowohl in Palästina als auch in Israel sehen sich Friedensakteur:innen, darunter Frauen und feministische Friedensaktivist:innen, mit politischer Polarisierung, schrumpfendem zivilgesellschaftlichem Raum und Marginalisierung konfrontiert. Gemeinsame Friedensbemühungen stossen auf immer grössere Hindernisse.

Unser Programm

Im Frühjahr 2026 haben wir gemeinsam mit unseren palästinensischen und israelischen Partnerinnen – dem Jerusalem Center for Women und Itach-Ma'aki: Women Lawyers for Social Justice – das Programm «Von der Randgruppe zur unverzichtbaren Kraft: Frauen gestalten die israelisch-palästinensischen Friedensverhandlungen» entwickelt. Das Programm umfasst das Westjordanland (einschliesslich Ostjerusalem) und Israel.

Es thematisiert die Ausgrenzung von Frauen aus formellen Friedensverhandlungen und zielt darauf ab, die Führungsrolle palästinensischer und israelischer Frauen bei der Friedensförderung durch gemeinsames Engagement zu stärken.

Das Programm baut auf langjähriger Erfahrung auf und erweitert die Arbeit des 1325 Joint Israeli-Palestinian Women’s Steering Committee. Seit seiner Gründung im Jahr 2020 hat das Comittee bemerkenswerte Widerstandsfähigkeit und Engagement bewiesen, selbst inmitten des anhaltenden Krieges, der die Bewegungsfreiheit der Palästinenser:innen weiter eingeschränkt und die Unsicherheit verschärft hat. Das Comittee dient als einzigartige Plattform für den Dialog und die Zusammenarbeit zwischen Friedensakteurinnen aus beiden Gesellschaften. 

Substanzielle Einbindung von Frauen in Friedensprozesse

Gemeinsam mit unseren palästinensischen und israelischen Partnerinnen stärken wir die Führungsrolle palästinensischer und israelischer Frauen in der Friedensförderung, indem wir ein bestehendes gemeinsames Netzwerk von weiblichen Führungskräften zu einer nachhaltigen, sicheren und strukturierten Plattform für Dialog, Advocacy und Strategieentwicklung ausbauen.

Gemeinsam:

  • fördern wir sinnvolle Verbindungen zwischen israelischen und palästinensischen Friedensaktivistinnen sowie innerhalb der jeweiligen Communitys;

  • verstärken wir die Stimmen von Frauen und stärken ihren Einfluss in hochrangigen Friedens- und Sicherheitsberatungen, einschliesslich formeller und informeller Entscheidungsgremien, indem wir Expertinnen aktiv fördern, strategische Netzwerke aufbauen und Interessengruppen mobilisieren, um qualifizierte Verhandlungsführerinnen als wesentliche Entscheidungsträgerinnen und nicht als symbolische Teilnehmerinnen zu unterstützen.

  • betreiben wir Öffentlichkeitsarbeit und pflegen den Dialog mit den Medien, um den israelisch-palästinensischen Frauen eine Stimme zu geben, Berichte über gemeinsame Initiativen zu verbreiten und hochrangige Entscheidungsträger:innen zu informieren;

  • bauen wir strategische Kapazitäten für Frauen im Friedensbereich auf, im Einklang mit den Grundsätzen der Resolution 1325 des UNO-Sicherheitsrats, unter anderem durch die Einbindung und Betreuung einer jüngeren Generation von Friedenssaktivist:innen, um die Kontinuität und Nachhaltigkeit der Führungsarbeit zu gewährleisten.

Durch die Stärkung sowohl der internen Koordination als auch der externen Zusammenarbeit des Gemeinsamen Lenkungsausschusses zielt das Programm darauf ab, die Kluft zwischen von Frauen geleiteten Initiativen der «Track 2» (informell) und «Track 1.5» (gemischt, offiziell und inoffiziell) sowie den formellen Entscheidungsgremien der «Track 1» zu schliessen, zu denen Frauen nach wie vor nur schwer Zugang finden.