Dekolonialismus
Frauen
Patriarchat
Zivilgesellschaft/Zivilgesellschaftliche Organisation
Agency (Handlungsmacht)
Krieg/bewaffneter Konflikt
Dekolonialismus (sowie Dekolonisierung) in der internationalen Zusammenarbeit, humanitären Hilfe und in der Friedensförderung bezieht sich auf die Dekonstruktion und den Abbau kolonialer und neokolonialer Ideologien, welche die Art und Weise, wie der Globale Norden denkt und Wissen bewertet, als übergeordnet betrachten. Das Ziel ist die Umverteilung von Macht und Ressourcen, die nicht nur Kolonialmächte während des Kolonialismus angehäuft haben – und von denen sie bis heute profitieren und sie weiter ausbauen. Ausserdem zielt der Dekolonialismus darauf ab, auf die Denkweisen und Verhaltensmuster, die sich während der Kolonialzeit verfestigt haben, hinzuweisen und diese zu überwinden. Aus der Perspektive von Kritiker:innen des Kolonialismus, zu denen wir gehören, umfasst der Dekolonialismus sowohl eine kritische Perspektive als auch eine Praxis, die das fortbestehende Erbe kolonialer Macht in Wissen, Politik und Friedensförderung hinterfragt. Dekolonialismus und Dekolonialisierung fordern den Abbau dominanter westlicher Strukturen, die lokales, indigenes und feministisches Wissen und Macht marginalisieren. Stattdessen stellt Dekolonialismus die Stimmen, Erfahrungen und Führungskompetenzen derjenigen in den Mittelpunkt, die am stärksten von gewaltsamen Konflikten und historischer Unterdrückung betroffen sind.
PeaceWomen Across the Globe betrachtet Dekolonialismus sowohl als eine kritische Sichtweise als auch als eine Praxis, die die fortbestehenden Hinterlassenschaften kolonialer Macht in den Bereichen Wissen, Politik und Friedensförderung hinterfragt. Er fordert den Abbau vorherrschender westlicher Denkmuster, die lokales, indigenes und feministisches Wissen und Macht ausgrenzen. Stattdessen rückt der Dekolonialismus die Stimmen, Erfahrungen und Führungsrollen derjenigen in den Mittelpunkt, die am stärksten von gewaltsamen Konflikten und historischer Unterdrückung betroffen sind.
Quellen: Peace Direct: Race, Power and Peacebuilding, 2022; PeaceWomen Across the Globe «Guiding principles for decolonial peacebuilding», 2025..
Mit «Frauen» meinen wir Menschen, die sich als weiblich identifizieren, einschliesslich trans, inter und cis Frauen. Darüber hinaus betonen wir die Notwendigkeit, die Stimmen und Erfahrungen von Menschen einzubeziehen, die als Frauen sozialisiert wurden oder gelegentlich als Frauen wahrgenommen werden, wie z. B. trans Männer, nicht-binäre und agender Personen.
Der Begriff «Patriarchat» beschreibt ein Gesellschaftssystem, in dem soziale Beziehungen, Werte, Normen und Verhaltensmuster vorwiegend von Männern geprägt sind und das Männer begünstigt. Historisch gesehen beschreibt das Patriarchat eine Gesellschaftsordnung, in der sozialer Status, Land, Eigentum und Rechte von den Vätern verwaltet und an ihre Söhne weitergegeben werden. Weltweit herrschen auch heute noch patriarchale Strukturen vor, welche eine Hierarchie zwischen den Geschlechtern schafft. Beispiel dafür sind ungleiche Löhne zwischen den Geschlechtern für gleiche Arbeit, sowie die unbezahlte und unterbewertete Care-Arbeit von Frauen. Dahinter steht eine tief verwurzelte Einstellung: Der Mann ist der Frau und anderen Geschlechtern überlegen. Diese Haltung ist eine der Hauptursachen für Gewalt gegen Frauen, Mädchen und queere Personen. Jedoch profitieren nicht alle Männer gleichermassen von diesem System. Abhängig von ihrer sozialen Klasse, Rassifizierung, Sexualität oder aufgrund von Behinderungen, entsprechen sie nicht zwingend dem vorherrschenden Ideal von Männlichkeit und werden ebenfalls diskriminiert.
Quellen: Centre for Feminist Foreign Policy Glossar ; Medica Mondiale Glossar
Unter Zivilgesellschaft wird jener Bereich gesellschaftlichen Handelns verstanden, in dem sich Menschen zusammenschliessen, um öffentliche Interessen und soziale Anliegen zu verfolgen oder politische und gesellschaftliche Prozesse mitzugestalten. Die Bürger:innen in einer Zivilgesellschaft engagieren sich in Nichtregierungsorganisationen, Bürger:inneninitiativen und Vereinen, die unabhängig vom Staat und vom Markt agieren. Die Zivilgesellschaft ist für die Stärkung der Demokratie und die Förderung der Widerstandsfähigkeit der Gemeinschaft von entscheidender Bedeutung.
«Zivilgesellschaftliche Organisationen» bezeichnet alle nicht gewinnorientierten, organisierten Gruppen, Vereine und Verbände in der Gesellschaft, die unabhängig von Regierung, Staat und Privatwirtschaft arbeiten. Beispiele für zivilgesellschaftliche Gruppen sind Universitäten, Nichtregierungsorganisationen, Freiwilligenverbände, Organisationen, Bewegungen und Netzwerke, die im sozialen Raum ausserhalb von Staat und Privatwirtschaft leben und arbeiten, Umweltbewegungen, Verbände indigener Völker, organisierte lokale Gemeinschaften und Gewerkschaften. Sie können auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene organisiert sein. Zivilgesellschaftliche Organisationen nehmen eine Vielzahl von Dienstleistungen und humanitären Aufgaben wahr, tragen die Anliegen der Bürger:innen zu den Regierungen, überwachen die Politik und fördern die Beteiligung in der Gemeinschaft.
Quellen: UNESCO , IGI Global
«Handlungsmacht» (Englisch: agency) bezeichnet die menschliche Fähigkeit, zu handeln und selbst zu entscheiden, welche Massnahmen ergriffen werden, um Veränderungen herbeizuführen. Wir verwenden den Begriff «kreative Handlungsmacht», um die Fähigkeit zu beschreiben, sich gegen konventionelle Geschlechtergrenzen zu stellen, gesellschaftlich zugewiesene Rollen von Frauen oder Männern in Frage zu stellen und neue Möglichkeiten der Teilhabe zu schaffen. Mit dem Begriff «kreative Handlungsmacht» wollen wir die innovativen Wege hervorheben, auf denen Frauen (und Männer) gesellschaftliche Normen verändern.
Quellen: Anthony Giddens, The Constitution of Society; Cambridge Dictionary; Annika Björkdahl and Johanna Mannergren Selimovic, Gendering Agency in Transitional Justice (2015)
Krieg ist sowohl ein allgemeiner Begriff der Umgangssprache, der sich auf ein Phänomen organisierter kollektiver Gewalt bezieht und die Beziehungen zwischen Staaten oder die Machtverhältnisse innerhalb einer Gesellschaft beeinflusst, als auch ein Rechtsbegriff des Völkerrechts (jus ad bellum und jus in bello). «Bewaffneter Konflikt» beschreibt einen Zustand der Feindseligkeiten, der weder von einer Kriegserklärung noch von der Anerkennung der Existenz eines «Krieges» durch die Konfliktparteien abhängt. Mit anderen Worten: Alle Kriege sind bewaffnete Konflikte, aber nicht alle bewaffneten Konflikte sind erklärte Kriege. Nach einschlägiger Rechtsprechung und nach Auffassung des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz liegt ein bewaffneter Konflikt vor, wenn zwischen Staaten zu Waffengewalt gegriffen wird («internationaler bewaffneter Konflikt»). Wenn es zu anhaltender bewaffneter Gewalt zwischen Regierungsbehörden und organisierten bewaffneten Gruppen oder zwischen solchen Gruppen innerhalb eines Staates kommt, spricht man von einem «nicht-internationalen bewaffneten Konflikt». Im Falle nicht-internationaler bewaffneter Konflikte ist eine bestimmte Intensitätsschwelle erforderlich (vereinzelte Vorfälle, Spannungen oder kleinere Scharmützel reichen nicht aus).
(Quelle: Internationales Komitee vom Roten Kreuz)