Feminist Peace Initiative: Eine intersektionale feministische Friedensbewegung in Thailand

FPI Thailand group pic 2026

Die anhaltende politische Instabilität in Thailand ist geprägt von Spannungen zwischen Thailand und Kambodscha, zunehmendem Nationalismus und der Fragilität des thailändischen Staates. Verschiedene Gruppen suchen den Dialog und setzen sich für den Frieden ein. Der öffentliche Diskurs ist jedoch von militaristischen Narrativen dominiert und der zivilgesellschaftliche Raum schrumpft. Eine gemeinsame Antwort von feministischen Netzwerken auf diese Realitäten wäre besonders wichtig. Mit unseren Feminist Peace Initiatives haben wir ein erstes Treffen von Frauen und feministischen Kollektiven zum Aufbau einer Solidaritätsbewegung in Thailand unterstützt.

Während der pro-demokratischen Proteste von 2020–2021 erweiterte sich vorübergehend der zivilgesellschaftliche Raum in Thailand. Progressive Parteien konnten Wahlerfolge erzielen. Letztendlich folgten jedoch Rückschritte in der Demokratie. Dieses sich wiederholende Muster zeigt: Netzwerke müssen zusammenzuarbeiten, um diese Muster zu erkennen und gemeinsam darauf zu reagieren. Während der Proteste waren die Forderung nach Geschlechtergerechtigkeit sowie der Rechenschaftspflicht bei Belästigungen durch Anführer der Protestbewegung zentral. Dennoch findet feministisches Vernetzen in Thailand kaum Anerkennung.

Das hat gezeigt, dass es an vielen Universitäten eine aktive feministische Jugendgemeinschaft gibt. Ich hoffe, dass diese Community weiterwächst und im ganzen Land an Stärke gewinnt.

— Teilnehmer:in am FemKids-Assem

Die Studierendenvereinigung Little Feminist Collective will die Schnittstelle zwischen feministischen Prinzipien und Friedensförderung stärken. Zu diesem Zweck organisierte sie die «FemKids Assembly». An dieser Versammlung kamen im März 2026 diverse Gruppe von Frauen und Feminist:innen aus Thailand und Myanmar zusammen. Zu den Teilnehmer:innen gehörten Vertreter:innen feministischer Studierendenvereinigungen, der Southern Peasants’ Federation of Thailand, des Radical Grandma Collective, der Milk Tea Alliance Thailand sowie eine Aktivistin aus Myanmar. Gemeinsam diskutierten sie über feministische Friedensförderung – und begannen, eine Solidaritätsbewegung aufzubauen.

Geist der Zusammenarbeit und des Aktivismus

Während der FemKids-Assembly organisierten sieben feministische Clubs insgesamt acht Stände und Ausstellungen. Zu den Vereinen gehörten ein neu gegründeter Club der Fakultät für Politikwissenschaft der Chulalongkorn-Universität sowie die Friedensaktivist:innengruppe Solidarity Collective, welche die Solidarität zwischen Palästina und Südostasien fördert. Der Geist der Zusammenarbeit und des Aktivismus, der an den Ständen zu spüren war, setzte sich auch in den Gesprächen fort:

  • Die Basisinitiativen Radical Grandma Collective und Southern Peasants’ Federation sowie eine Aktivistin aus Myanmar verbanden in ihren Voten die Themen Umweltgerechtigkeit, Landrechte und Widerstand gegen Vertreibung mit feministischer Arbeit.

  • Eine Diskussion über Informationskriege beleuchtete, wie digitale Narrative den Konflikt zwischen Thailand und Kambodscha geprägt haben.

  • In der Schlussrunde wurde das Wort an eine junge Moderatorin übergeben – erfahrenere Mitglieder der Kollektive traten in den Hintergrund, um zuzuhören.

  • In jeder Sitzung übernahmen die Mitglieder aktiv Rollen, wie Dolmetschen oder Moderation. Das deutet auf ein Kollektiv hin, das ebenso generations- wie bewegungsübergreifend aufgebaut ist.

Eine Teilnehmerin fand besonders interessant, wie die Perspektiven junger Menschen zu feministischen Themen auf ansprechende Weise präsentiert wurden. «Es gab sowohl Kunstwerke als auch ernsthafte Diskussionsrunden. Das hat gezeigt, dass es an vielen Universitäten eine aktive feministische Jugendgemeinschaft gibt. Ich hoffe, dass diese Community weiterwächst und im ganzen Land an Stärke gewinnt.»

Ansätze für eine feministische Bewegung

An dieser ersten Versammlung wurden neue Verbindungen geknüpft. Die Veranstalterin, Little Feminist Collective, wird diese weiternähren. Inspiriert von der FemKids-Assembly plant das Kollektiv eine enge Zusammenarbeit mit Organisationen ausserhalb von Universitäten, die sich mit Desinformation und Informationskrieg, die oft in Konfliktsituationen eingesetzten werden, befassen. Ausserdem wird es von neuen antiautoritären Taktiken zivilgesellschaftlicher Bewegungen und Netzwerke lernen.

Es wird eine Herausforderung sei, die Kontinuität und Nachhaltigkeit des Kollektivs und der Bewegung im weiteren Sinne zu gewährleisten, insbesondere weil viele feministische Vereine mit wechselnden studentischen Vorständen arbeiten. Dies erfordert anpassungsfähige und flexible Ansätze zur Friedens- und Bewegungsbildung, die den neuen Realitäten künftiger Generationen feministischer Aktivist:innen entgegenkommen. Das Kollektiv bleibt zuversichtlich und optimistisch: «Die Veranstaltung hat erneut bestätigt, dass wir uns in die richtige Richtung bewegen. Obwohl der zivilgesellschaftliche Raum weiter schrumpft, konnten wir unter Feminist:innen und jungen Menschen, die sich zuvor noch nie engagiert hatten, grosses Interesse beobachten. Viele bekundeten Interesse daran, sich ehrenamtlich zu engagieren und Teil der Bewegung zu werden.»

Eigene Visionen für sozialen Wandel gestalten

Dieses Treffen zeigte, dass der Bedarf an feministischer Arbeit und Community-Building unter den jüngeren Generationen weiterhin gross ist. Das Kollektiv möchte diesem Bedarf gerecht werden, indem es jungen Menschen – insbesondere jenen, die nur begrenzten Zugang zu solchen Räumen haben – Ressourcen und Möglichkeiten zur Verfügung stellt. Damit sollen sie Aktivitäten organisieren, mit kreativen Ansätzen experimentieren und ihre eigenen Visionen für sozialen Wandel gestalten können. Für das langfristige Wachstum der Bewegung wird dies entscheidend sein.

Mit dem Beitrag durch die Feminist Peace Initiatives war es dem Little Feminist Collective möglich, «über mehrere wichtigen Erkenntnisse nachzudenken, die unsere zukünftige Entwicklung prägen werden. Diese Erfahrungen helfen uns, das Fundament für eine neue Welle junger Feminist:innen in Thailand zu legen. Diese neue Generation strebt danach, den sozialen Wandel durch einen intersektionalen, inklusiven und gemeinschaftsorientierten Ansatz voranzutreiben.»

Die Veranstaltung hat bestätigt, dass wir uns in die richtige Richtung bewegen. Obwohl der zivilgesellschaftliche Raum weiter schrumpft, konnten wir unter Feminist:innen und jungen Menschen grosses Interesse beobachten.

Start für eine feministische Friedensbewegung

Als Folge des Treffens hat sich ein Kernteam der FemKids-Assembly gebildet, ein potenzieller Partner hat sich bereit erklärt, das Wachstum des Kollektivs zu unterstützen, und von der Veranstaltung inspirierte Studierende versuchen nun, eigene feministische Clubs zu gründen und sich dem Netzwerk anzuschliessen. Es entstehen bereits Kooperationen für zukünftige Projekte zu Friedensförderung und Feminismus. Unter den Teilnehmer:innen besteht der geteilte Wunsch, diese Verbindungen weiter zu vertiefen.

Als erste geförderte Veranstaltung des Little Feminist Collective hat die FemKids-Assembly wichtige Grundlagen geschaffen, auf denen eine intersektionale, von Jugendlichen getragene und generationenübergreifende feministische Bewegung in Thailand weiter aufbauen kann.