Kolumbien-Sudan-Austausch in Bern: «Es war eine Ehre, Frauen zu treffen, die mit solcher Kraft für Frieden kämpfen»

Es ist ein zentrales Ziel aller unserer Programme, Verbindungen und den Austausch zwischen Frauen und feministischen Friedensaktivist:innen aus Konfliktländern zu fördern. Um dieses Ziel voranzubringen, luden wir zwei sudanesische und zwei kolumbianische Friedensaktivistinnen in die Schweiz ein. Über vier Tage teilten sie ihre Erfahrungen, Strategien und Ansätze für feministische Friedensarbeit. In Gesprächen mit Entscheidungsträger:innen hoben sie die Herausforderungen hervor, denen Friedensaktivistinnen – insbesondere junge – in ihren Ländern gegenüberstehen, und äusserten zudem ihre Erwartungen.

Die vier Frauen gehören zur jüngeren Generation der Friedensaktivistinnen in ihren Ländern: Rounag Shimila Ali und Mariam Hamid Ahmed Hamid (Sudan), Gabriela Bastidas Diaz und Paola Bastidas Cuatin (Kolumbien). Sie sind feministische Aktivistinnen, die Führungsfunktionen übernehmen, und engagierte Verfechterinnen der Frauenrechte, insbesondere der Beteiligung von Frauen in allen Phasen von Friedensprozessen (siehe kurze Biografien unten).

Sie kamen nach Bern, um Erkenntnisse zu teilen und Botschaften zu vermitteln. Vor allem diese: Die Einbindung lokaler Friedensakteurinnen ist entscheidend für den Friedensaufbau, und junge Frauen müssen sowohl in die Gestaltung als auch in die Umsetzung von Friedensprozessen einbezogen werden. Sie waren sich einig: Frieden ist etwas, das Friedensaktivistinnen in Kolumbien und im Sudan jeden Tag aufbauen – und nicht nur eine Angelegenheit, über die bewaffnete Gruppen und Eliten entscheiden. Die Vorstellung, dass diejenigen, die Krieg führen, auch die Friedensförderung anvertraut werden sollte, sei «Unsinn».

Strategien teilen, Solidarität aufbauen

Der Austausch unter den vier Frauen stand im Mittelpunkt ihres viertägigen Aufenthalts in Bern: Sie erfuhren mehr über die Situationen in Kolumbien und im Sudan und tauschten eigenen Erfahrungen sowie die anderer Frauen – darunter auch von Aktivistinnen unter 35 Jahren – in der Friedensförderung in diesen Ländern aus. Dieser offene Austausch stärkte die Solidarität unter den Frauen. Alle äusserten, inspiriert und bereichert nach Hause zu gehen, und machten deutlich, dass sie den Kontakt aufrechterhalten wollen.

«Es war eine Ehre, Frauen kennenzulernen, die mit solcher Kraft für den Frieden kämpfen. [Der Austausch] hat mir gezeigt, dass wir, auch wenn wir Kilometer voneinander entfernt sind, nicht allein sind und dass wir dasselbe Ziel verfolgen», sagte Gabriela.

«Ich war so aufgeregt, die Kolleginnen aus Kolumbien zu treffen. Ich bin ein grosser Fan», sagte Mariam. Sie war besonders inspiriert von der Vernetzung von «erfahreneren Frauen mit weniger erfahrenen Frauen im Bereich Friedensarbeit» in ihrer Region in Kolumbien.

«Ich nehme sehr viel aus diesem Austausch und von diesen jungen, unglaublich starken Frauen mit», sagte Paola. Für sie war die Vernetzung von Friedensaktivistinnen aus dem Sudans und der Diaspora ein wichtiger Lernpunkt.

Rounag verliess Bern «mit neuen Freundinnen aus Kolumbien». Die Gespräche erinnerten sie daran, dass «wir es nicht allein schaffen können. Wir brauchen starke Bündnisse.»

Akteurinnen, nicht «Begünstigte»

Die vier Frauen trafen sich zudem mit Vertreter:innen des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten sowie mit einem Mitglied des Parlaments. Da die sudanesischen Friedensaktivistinnen ihre Reise nach Bern über Berlin antraten, organisierten wir zusätzlich Treffen mit der Sudan-Abteilung des deutschen Auswärtigen Amtes und einer Stiftung sowie ein Medieninterview.

Die Vier hatten konkrete Forderungen an die Schweizer Regierung: Friedensaktivistinnen sollen nicht als «Begünstigte», sondern als Akteurinnen betrachtet werden, die in die Gestaltung von Friedensprozessen einbezogen werden, um die Vielfalt der Meinungen und Erfahrungen zu erhöhen; und es soll Druck auf Länder ausgeübt werden, die in den bewaffneten Konflikt in Sudan eingreifen.

«Mir ist besonders aufgefallen, wie wichtig es ist, Raum für einen direkten Dialog zwischen Friedensaktivistinnen an der Basis und politischen Entscheidungsträger:innen zu schaffen», schrieb Mariam in einem Beitrag auf LinkedIn. «Gerade in solchen Räumen können globale Friedensverpflichtungen mit der gelebten Realität vor Ort verbunden werden.»

Wertvolle Erkenntnisse für unsere Programme

Wir haben die vier Frauen auch in das Programm des Abschiedsanlasses für unsere Gründerin und Präsidentin Ruth-Gaby Vermot integriert, die nach mehr als 20 Jahren am 7. Mai 2026 zurücktrat. In einer generationenübergreifenden Podiumsdiskussion teilten die Aktivistinnen die Herausforderungen, die Gewalt und die harten Bedingungen, denen sie in ihrer Friedensarbeit begegnen. Dabei waren sie sich einig, dass der generationenübergreifende Dialog von zentraler Bedeutung ist. «Es geht nicht darum, miteinander zu konkurrieren, sondern unsere Agenda zu verbinden», sagte Rounag gegenüber dem Publikum.

Als Organisation haben wir ebenfalls zugehört und gelernt. Die wertvollen Erkenntnisse aus den vier Tagen der Diskussion und des Austauschs werden uns helfen, unserer Programme in Sudan und Kolumbien innerhalb unseres Bereichs Friedensförderung während Friedensverhandlungen weiterzuentwickeln.

Biografien

Gabriela Bastidas Diaz ist eine kolumbianische Friedens- und Menschenrechtsaktivistin, die in der ländlichen Stadt La Llanada im Departement Nariño geboren wurde und dort lebt. Seit 2023 ist sie im öffentlichen Dienst tätig und studiert Rechtswissenschaften. Gabriela war als Kontaktperson für Opfer des bewaffneten Konflikts tätig, koordinierte das Büro für finanzielle Beiträge für schutzbedürftige Bevölkerungsgruppen und entwickelt seit 2026 Strategien zur psychischen Gesundheit, die in La Llanada umgesetzt werden sollen. Als Mitglied des kommunalen Frauenrundtischs von La Llanada («mesa municipal de mujeres») ist sie Teil des politischen Bündnisses «Hilando Poderes: Mujeres que Transforman» (Kräfte verweben: Frauen, die verändern), die im Rahmen der Friedensverhandlungen zwischen der kolumbianischen Regierung und der Frente Comuneros del Sur, einer Splittergruppe der bewaffneten Gruppe Ejército Popular de Liberación (ELN), weibliche Führungskräfte aus 10 Gemeinden zusammenbringt. Innerhalb dieser Allianz wurde Gabriela die Verantwortung übertragen, die kommunalen Frauenrundtische aus diesen Gebieten am Verhandlungstisch zu vertreten.

Mariam Hamid Ahmed Hamid ist eine sudanesische Feministin und Aktivistin, die sich für die Förderung der Frauenrechte, des Friedens und der sozialen Gerechtigkeit in Konfliktgebieten einsetzt. Derzeit ist sie Geschäftsführerin von Kayan for Women Empowerment, wo sie Programme leitet, die darauf abzielen, die wirtschaftliche und politische Teilhabe von Frauen zu verbessern und ihre Führungsrolle bei der Friedensförderung und dem demokratischen Wandel im Sudan zu stärken. Zudem ist sie aktives Mitglied der in Kampala ansässigen Arbeitsgruppe des Badya Centre, die mit Friedensakteur:innen in Süd-Kordofan zusammenarbeitet. Sie nutzt ihr Fachwissen zur Agenda «Frauen, Frieden und Sicherheit» (WPS) und zur Umsetzung der Resolution 1325 des UNO-Sicherheitsrats, um Frauengruppen darin zu schulen, wie die Resolution in die Praxis umgesetzt werden kann, und um die Beteiligung und Führungsrolle von Frauen in lokalen Friedensverhandlungen und Friedensprozessen zu fördern. Sie arbeitet mit der Plattform «Peace for Sudan» zusammen, einem Dachverband von frauengeführten Organisationen im Sudan und in der Diaspora, und ist Mitglied mehrerer Frauenbewegungen und Interessenvertretungen in ganz Afrika.

Paola Bastidas Cuatin verfügt über Abschlüsse in Politikwissenschaft sowie in territorialer Governance und öffentlicher Verwaltung und ist Spezialistin für Friedenskultur und humanitäres Völkerrecht. Sie engagierte sich im pazifistischen und antimilitaristischen Feminismus bei der Ruta Pacífica de las Mujeres, wo sie Prozesse der sozialen Mobilisierung für eine Verhandlungslösung des bewaffneten Konflikts sowie die Verbreitung der Friedensabkommen zwischen der kolumbianischen Regierung und der bewaffneten Gruppe FARC-EP unterstützte. Paola ist Mitbegründerin der Corporación Colectiva Cuarzo Rosa, einer feministischen Organisation in der Gemeinde La Llanada, wo sie Schulungsprogramme zu Frauenrechten durchgeführt und Strategien für politische Interessenvertretung geleitet hat. Als Regierungssekretärin im Büro des Bürgermeisters von La Llanada leitete sie die Gründung des kommunalen Frauenrundtischs, eines wichtigen Forums für die Koordination und Partizipation von Frauen sowie für die Stärkung ihrer Führungsrolle in der Region. Derzeit hat sie eine Führungsrolle in der politischen Allianz «Hilando Poderes: Mujeres que Transforman» (Kräfte verweben: Frauen, die verändern) inne, einer Initiative, die darauf abzielt, die Rolle von Frauen als zentrale Akteurinnen der Friedensförderung in der Region zu stärken und ihre Beteiligung an Entscheidungsprozessen und am sozialen Wandel zu fördern.

Rounag Shimila Ali ist eine feministische sudanesische Aktivistin und eine Menschenrechtsaktivistin. Sie setzt sich für den Klimaschutz ein und engagiert sich als Friedensaktivistin und Mediatorin in ihren Communitys. Sie ist Gründerin und Leiterin der Environment and Rural Women’s Development Organization (ERD), einer jungen, von Frauen geführten Organisation, die sich für die Stärkung ländlicher Gemeinschaften und die Förderung der Gleichstellung der Geschlechter einsetzt. Die ERD hat ihren Sitz derzeit in Kampala, Uganda, und unterhält 15 Zweigstellen im gesamten Sudan, wo Rounag die Zentrale leitet und 19 Mitarbeitende koordiniert. Sie fördert den Frieden durch den Dialog zwischen Frauen aus indigenen und konservativen Gemeinschaften, pflegt den grenzüberschreitenden Dialog und stärkt den sozialen Zusammenhalt. Sie hat an zahlreichen sudanesischen Friedensdialogen und internationalen Foren im Sudan, in Uganda und im Ausland teilgenommen und dazu beigetragen.