Regionales Netzwerktreffen in Afrika:«Wenn Frauen zusammenarbeiten, können sie Politik und Frieden beeinflussen»
Mit welchen Hindernissen sind Frauen und feministische Friedensaktivistinnen in Afrika konfrontiert – und welche Möglichkeiten haben sie, diese zu überwinden? Wie können Generationen von Friedensaktivistinnen zusammenarbeiten, um ihren Forderungen Gehör zu verschaffen und dauerhaften Frieden in ihren Ländern und Regionen zu erreichen? Dies waren einige der Fragen, die beim ersten regionalen Treffen des Netzwerks Feminists Connecting for Peace in Afrika diskutiert wurden.
Nichts ist unmöglich, wenn Frauen und junge Menschen daran mitwirken, Frieden, Sicherheit und Stabilität auf dem gesamten Kontinent zu wahren.
— Gégé Kekana, Demokratische Republik Kongo
Von der vergessenen Anglophone-Krise in Kamerun bis hin zum Krieg im Sudan, der mehr als 100,000 Menschen das Leben gekostet hat: Die Teilnehmenden des regionalen Netzwerktreffens in Uganda kamen aus 18 Ländern des afrikanischen Kontinents und haben alle Kriege und gewaltsame Konflikte erlebt. Einige der Teilnehmenden in Entebbe wurden durch bewaffnete Konflikte in ihren Ländern vertrieben, andere sind zu ihrer eigenen Sicherheit ins Exil gegangen – auch, weil sie Frauen und Aktivistinnen sind.
Das zweitägige Treffen, das im April 2026 in Entebbe stattfand, bot Frauen und feministischen Friedensaktivistinnen – darunter Mediatorinnen, Journalistinnen und Basisaktivistinnen – eine seltene Gelegenheit, sich persönlich zu treffen, Ideen auszutauschen und Strategien über nationale Grenzen, Sprachbarrieren und Generationen hinweg zu entwickeln. Sie hatten die Zeit und den Raum, um Kontakte zu knüpfen, das Bewusstsein für die Herausforderungen zu schärfen, denen sie in ihren jeweiligen Kontexten gegenüberstehen, und gemeinsame Ziele sowie Möglichkeiten für die Beteiligung von Frauen an Friedensprozessen zu identifizieren.
«Wir erleben hier die Kraft, die Entschlossenheit, die Solidarität und die Verbundenheit der Frauen. Wenn Frauen zusammenarbeiten, können sie Politik und Frieden beeinflussen», sagte Marian Angela, eine erfahrene Friedensaktivistin aus Sierra Leone. «Wir haben auch die harten Wahrheiten gehört: die mangelnde Vertretung von Jugendlichen, insbesondere junger Frauen, in der Friedensarbeit, unzureichende lokale Finanzierung und die verheerende Realität von Konflikten», schrieb Nashiba Nakabira, Youth Ambassador for Peace der Afrikanischen Union aus Uganda, nach dem Treffen auf LinkedIn. «Ich habe mich dazu verpflichtet, mehr junge Frauen an den Tisch zu bringen und soziale Medien zu nutzen, um unsere gemeinsame Arbeit zu verstärken, während wir in die nächste Generation von Friedensakteurinnen investieren.»
«Grenzen dürfen uns nicht trennen»
Gégé Kekana aus der Demokratischen Republik Kongo, eine der 1000 PeaceWomen, die für den Friedensnobelpreis 2005 nominiert waren, sagte bei dem Treffen: «Eure Erfahrungen lassen mich zu dem Schluss kommen, dass nichts unmöglich ist, wenn Frauen und junge Menschen daran mitwirken, Frieden, Sicherheit und Stabilität auf dem gesamten Kontinent zu wahren. Die Grenzen zwischen unseren Ländern dürfen uns nicht trennen. Gemeinsam können wir den Kontinent verändern.» Sie räumte ein, dass «der Weg, den wir derzeit beschreiten, noch lang und rutschig und mit vielen Dornen übersät ist – doch das darf uns nicht entmutigen.»
Die Association des Femmes pour le Dynamisme Citoyen (Vereinigung von Frauen für zivilgesellschaftliches Engagement) aus dem Tschad, die bei dem Treffen vertreten war, bezeichnete dieses in einem Beitrag als «einen entscheidenden Schritt für Frauen, um den Stimmen ihrer Schwestern Gehör zu verschaffen, die angesichts der vielfältigen Formen von Gewalt, denen sie ausgesetzt sind, lange Zeit geschwiegen haben». Für Hanadi, eine sudanesische Teilnehmerin, zeigen die zwei Tage der Diskussion und Zusammenarbeit, dass «die Verknüpfung regionaler Bemühungen mit nationalen Erfahrungen ein entscheidender Schritt ist, um die Wirkung zu verstärken und gesellschaftliche Barrieren» für die Beteiligung von Frauen an Friedensprozessen zu überwinden.
Den Grundstein legen
Für Larissa Mina Lee, die gemeinsam mit Luana de Souza aus unserem Netzwerk- und Advocacy-Team das regionale Treffen organisiert und mitmoderiert hat, war dies nie ein Selbstzweck: «So wie ein feministisches Netzwerk seinen Wert nicht aus seiner blossen Existenz bezieht, sondern aus dem, was es ermöglicht.» Das Feedback während des Treffens und die anschliessend in den sozialen Medien geteilten Kommentare zeigen die gemeinsame Entschlossenheit, die Beteiligung von Frauen an der Friedensförderung zu stärken. «Das heisst, wir haben nicht nur eine Veranstaltung durchgeführt, sondern ein Fundament gelegt, auf dem wir nun gemeinsam aufbauen können.»
Bei dem Treffen begannen die Teilnehmenden bereits mit Diskussionen darüber, wie dieses neue Netzwerk weiterentwickelt werden kann. Virtuelle Treffen zur Festlegung der nächsten Schritte sind in Planung. Die Teilnehmenden äusserten zudem Bedürfnisse, die in Webinaren behandelt werden könnten, beispielsweise zum Thema Fundraising. Und: Mit unseren Feminist Peace Initiatives bieten wir Unterstützung für eigene lokale Initiativen und Projekte an, um die sinnvolle Beteiligung von Frauen in allen Phasen von Friedensprozessen zu fördern, basierend auf den Bedürfnissen, die die Gemeinschaften selbst identifizieren.
«Wir erleben hier die Kraft, die Entschlossenheit, die Solidarität und die Verbundenheit der Frauen.»
— Marian Angela, Sierra Leone
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